ePA Laboratory Report Implementation Guide
Version 1.0.0-ballot.1 - ballot

Grundlagen zur Terminologienutzung

Status Quo

Laboruntersuchungen werden in Deutschland derzeit noch in hohem Maße individuell klassifiziert. Daher können Ergebnisse vergleichbarer Untersuchungen aus unterschiedlichen Laboren häufig nicht automatisiert in einer gemeinsamen Verlaufssicht zusammengeführt werden. Zusätzlich werden regional teilweise unterschiedliche Maßeinheiten verwendet, was die Vergleichbarkeit weiter erschwert.

Für eine entsprechende Harmonisierung ist die Verwendung standardisierter Terminologien sowie gemeinsam vereinbarter Konventionen erforderlich. Dementsprechend sollen strukturierte Informationen im dgLP Laborbefund abhängig vom jeweiligen Kontext insbesondere mit LOINC, SNOMED CT oder UCUM kodiert werden. Dies entspricht zugleich den Interoperabilitätsbestrebungen auf europäischer Ebene. Die erforderliche Kompatibilität im EHDS (European Health Data Space bzw. Europäischer Gesundheitsdatenraum) soll dabei von Beginn an berücksichtigt werden.

Geplantes Vorgehen: Stufenweise Einführung

Aufgrund der großen Bandbreite an Laboruntersuchungen und der mehr als 18.000 verfügbaren LOINC Codes ist eine vollständige Zuordnung des laborindividuellen Leistungskatalogs zu LOINC nicht unmittelbar und flächendeckend umsetzbar.

Neben der Einführung von LOINC, insbesondere zur Klassifizierung der Untersuchungen, bestehen weitere terminologische Herausforderungen. Dazu gehören beispielsweise die kodierte Darstellung qualitativer Untersuchungsergebnisse, die Kodierung von Probenentnahmen und Untersuchungsmethoden mit SNOMED CT sowie die Angabe quantitativer Messgrößen mit international standardisierten UCUM-Einheiten.

Daher ist ein stufenweises Vorgehen erforderlich. Hierüber besteht grundsätzlich Konsens zwischen den am dgLP-Einführungsprozess Beteiligten. Ergänzend wird auf die entsprechenden Ausführungen im [dgLP-Fachkonzept] der gematik verwiesen.

Ein verbindlicher Zeitplan liegt derzeit noch nicht vor. In einem ersten Schritt sollen Labore mindestens die Untersuchungen, die im Katalog priorisierter Untersuchungsgruppen und Analyte enthalten sind, kodiert angeben. In einem zweiten Schritt soll die Zuordnung auf weitere, häufig durchgeführte Untersuchungen ausgeweitet werden. Hierfür kann sich das Vorgehen an der LOINC-Mapping-Starthilfe orientieren. Beide Instrumente werden im Folgenden näher beschrieben.

Unterstützungsleistungen zur LOINC-Einführung

Anwendungsleitfaden des BfArM

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat einen Anwendungsleitfaden zur Kodierung von Labordaten in der elektronischen Patientenakte [Anwendungsleitfaden Kodierung Labordaten in ePA] veröffentlicht. Dieser soll Anwender:innen bei der Nutzung der relevanten Kodiersysteme unterstützen.

Der Anwendungsleitfaden vermittelt bzw. enthält insbesondere:

  • Grundlagen zur Verwendung medizinischer Terminologien im Laborbereich
  • Basiswissen zu Inhalt und Syntax von LOINC, UCUM und SNOMED CT für die Kodierung von Labordaten
  • Regeln und Hinweise zur Auswahl von LOINC-Termen mit dem Ziel einer einheitlichen Verwendung von LOINC
  • Hinweise zum Bezug der Kodiersysteme
  • Handreichungen zur Unterstützung beim Daten-Mapping, einschließlich allgemeiner Hinweise, Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Beispielen

Der Anwendungsleitfaden richtet sich insbesondere an:

  • Personen und Organisationen, die ein LOINC-Mapping im Laborbereich, insbesondere für die ePA, durchführen
  • Software-Herstellende datenverarbeitender Systeme (LIS, PVS, KIS)
  • Entwickelnde von Informationsmodellen

Katalog priorisierter Untersuchungsgruppen und Analyte

Der Katalog priorisierter Untersuchungsgruppen und Analyte umfasst zunächst etwa 140 Laboranalyte. Diese werden regelhaft von einer breiten Anwenderschaft sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich angefordert. Gleichzeitig kann eine Verlaufssicht auf ihre Ergebnisse einen relevanten Beitrag zur medizinischen Prävention sowie zur Behandlung von Patient:innen leisten.

Der Katalog schafft damit eine Grundlage für einen pragmatischen Einstieg in die semantische Interoperabilität. Er ermöglicht es Laboren, mit überschaubarem Kodier- bzw. Mapping-Aufwand eine einheitliche Kodierung der wichtigsten Laboranalyte umzusetzen, sofern das jeweilige LIS dies unterstützt.

Durch die empfohlene Kodierung soll für die besonders praxisrelevanten Analyte bereits zu Beginn eine laboreinrichtungsübergreifende Kumulativdarstellung auf der empfangenden Seite, insbesondere in der hausärztlichen Versorgung, ermöglicht werden. Der Katalog soll damit zu einer frühzeitigen Akzeptanz und praktischen Nutzbarkeit des dgLP Laborbefunds beitragen.

Ein Download des Kataloges im Excel- und PDF-Format ist unter Downloads > Katalog priorisierter Untersuchungsgruppen und Analyte verfügbar.

Im Folgenden werden die wesentlichen Merkmale des Katalogs, der aktuelle Stand und das geplante weitere Vorgehen beschrieben.

Umfang und Aufbau
  • Der Katalog umfasst 15 Untersuchungsgruppen mit etwa 140 zugeordneten Analysen.

    • Die Einträge folgen einer fachlichen Ordnung mit einer vorgegebenen Reihenfolge der Analysen.
    • Die Bezeichnungen der Untersuchungsgruppen sind als Ad-hoc-Code-ValueSet ausgeführt, da kein bestehendes Code System geeignete Einträge bereitstellt.
  • Für Untersuchungen, deren Ergebnisse in der Versorgung in unterschiedlichen Einheiten angegeben werden (z.B. mmol/L und mg/dL), wurden LOINC-Paare gebildet.

    • Ausgehend von der Veröffentlichung [Unity among the units] wurden für die betroffenen Untersuchungen die empfohlene und die mögliche alternative Einheit entsprechend zugeordnet.
    • Für die angegebenen Einheiten wurden valide UCUM-Einheiten vorgeschlagen. Dadurch soll eine Umrechnung durch die untersuchende Einrichtung sowohl bei unterschiedlichen Größenordnungen (z.B. mL und dL) als auch bei unterschiedlichen Einheiten bzw. Dimensionen (z.B. mol und g) ermöglicht werden.
    • Beide Varianten der Messergebnisse sollen im dgLP Laborbefund angegeben werden.
Limitationen
  • Eine Laboruntersuchung kann je nach Kontext auf unterschiedliche Weise kodiert werden, beispielsweise mit oder ohne Angabe einer Methode oder in Abhängigkeit von der verwendeten Einheit. Der Katalog priorisierter Untersuchungsgruppen und Analyte schafft auf Grundlage der Regeln des BfArM-Anwendungsleitfadens die Voraussetzung für ein flächendeckend harmonisiertes Vorgehen und damit für eine verbesserte Vergleichbarkeit der Untersuchungsergebnisse. Dennoch können auch andere Kodierungen, beispielsweise unter zusätzlicher Angabe einer Methode, fachlich korrekt und zulässig sein. Daher kann nicht ausgeschlossen werden, dass vergleichbare Ergebnisse aufgrund unterschiedlicher Kodierungen nicht gemeinsam in einer kumulativen Ansicht dargestellt werden können.
  • Umrechnungsfaktoren für relevante Codes bzw. Code-Paare mit unterschiedlichen Einheiten wurden in dieser Version nicht aufgenommen. Die Verantwortung für eine individuelle Umrechnung liegt bei der untersuchenden Einrichtung.
Operationalisierung
  • Für Laboruntersuchungen, die im Katalog enthalten sind, ist der jeweils im Katalog vorgegebene LOINC Code zu verwenden.
  • Für mindestens alle im Katalog enthaltenen Untersuchungen sollen die laborinternen Leistungskatalogeinträge auf den jeweils zugeordneten LOINC Code abgebildet werden.
  • Die im Katalog vorgegebene Reihenfolge der Untersuchungsgruppen und der zugehörigen Analyte muss in den Primärsystemen bei der Kumulativanzeige als Default-Ansicht verwendet werden. Untersuchungsergebnisse, die nicht im Katalog enthalten sind, können je nach fachlichem Kontext in die Gruppen einsortiert beziehungsweise unter-/außerhalb der vorgegebenen sortierten Liste dargestellt werden.
  • Untersuchungsergebnisse, für die LOINC-Paare definiert wurden, müssen vom Labor in beiden Einheiten angegeben werden.
  • Das empfangende System muss bei Untersuchungen, deren Ergebnisse in mehreren Einheiten angegeben werden, zunächst die präferierte Einheit anzeigen (z.B. mmol/L bei Glucose). Zusätzlich muss den Nutzenden die Möglichkeit gegeben werden, auf die alternative, gegebenenfalls im jeweiligen Versorgungskontext vertrautere Einheit zu wechseln (z.B. mg/dL bei Glucose).
Aktueller Stand und geplantes weiteres Vorgehen
  • Der Katalog wurde im Kontext der Definition des MIO Laborbefund unter Einbeziehung ausgewählter Vertreter:innen der Labormedizin und der Allgemeinmedizin als fachliche Diskussionsgrundlage erstellt.
  • Mit der Veröffentlichung des Katalogs und der zugehörigen Verarbeitungsregeln in diesem Implementation Guide und in der Veröffentlichung des MIO Laborbefund der mio42 GmbH erhält der Katalog einen verbindlichen Status für die Kodierung von Laboruntersuchungsergebnissen in der ersten Stufe des dgLP.
  • Der „Katalog priorisierter Untersuchungsgruppen und Analyte“, als ein erster Ansatz für ein konsolidiertes LOINC®-Mapping, soll in Analogie zur "LOINC-Mapping-Starthilfe" weiter ausgearbeitet werden.

LOINC-Mapping-Starthilfe

Um die angestrebte stufenweise semantische Harmonisierung von Laborbefunden bestmöglich zu unterstützen, wird neben dem Katalog priorisierter Untersuchungsgruppen und Analyte eine LOINC-Mapping-Starthilfe vorbereitet. Sie soll Labore dabei unterstützen, das Mapping ihrer Leistungskataloge schrittweise auf einen größeren Anteil der regelmäßig nachgefragten Laboruntersuchungen auszuweiten. Ziel ist es, perspektivisch etwa 80 % der regelmäßig nachgefragten Laboruntersuchungen abzudecken.

Die Starthilfe befindet sich derzeit noch in der Erarbeitung. Sie soll auf einem zusammengeführten Pool bereits durchgeführter Mappings großer Labore in Deutschland basieren. Hierfür wurden jeweils die 1.500 häufigsten Analysen mehrerer Labore in einem gemeinsamen Pool zusammengeführt, der insgesamt etwa 2.000 unterschiedliche Einträge umfasst.

Die in den einzelnen Laboren verwendeten, teilweise unterschiedlichen Bezeichnungen und Synonyme der Laboruntersuchungen werden dabei in einer Synopse zusammengeführt und dem jeweils empfohlenen LOINC Code gegenübergestellt.

Für die praktische Anwendung, gegebenenfalls auch in teilautomatisierten Mapping-Prozessen, wird eine Begleitdokumentation erstellt. Diese soll neben der Beschreibung des Vorgehens auch typische Fallstricke beim Mapping aufzeigen.

Die Veröffentlichung der LOINC-Mapping-Starthilfe ist zum Jahresende 2026 geplant.