ISiK Formularmodul Implementation Guide
Version 6.0.0 - ballot

Beispielszenarien

Work in Progress Unvollständige Inhalte
Diese Seite ist unvollständig. Die Beispielszenarien werden aus Anregungen und UseCases der Nutzer dieser Spezifikation, sowie der Bedarfe aus anderen ISiK-Modulen heraus entwickelt. Vorschläge und Hinweise zur Weiterentwicklung können im ISiK-Unterforum des internationalen FHIR-Chats gegeben werden. Bei der Anlage neuer Diskussionsthemen mit Bezug zu diesem Modul bitte das Präfix [FORM] verwenden!

Kandidaten:

Szenario: Meldung an ein medizinisches Register mit dem ISiK-Formular-Modul

Kontext: Krankenhäuser sind verpflichtet, diverse Sachverhalte (z.B. meldepflichtige Erkrankungen) an medizinische Register zu melden (meldepflichtiger Sachverhalt).

Möglicher Ablauf mit ISiK-Formular-Modul

  1. Auslöser im KIS
    • Bei medizinischen Dokumentation im Primärsystem (z. B. meldepflichtige Erkrankung, meldepflichtiges Implantat) erkennt das KIS automatisch den meldepflichtigen Sachverhalt.
  2. Start des Formulars
    • Über das ISiK-Connect-/Formular-Modul wird ein webbasierter Formular-Renderer direkt aus dem Primärsystem gestartet – inkl. Patienten- und Fallkontext.
  3. Vorbelegung der Daten
    • Das Formular wird automatisch mit melderelevanten, vorhandenen FHIR-Daten befüllt, z.B. :
      • Patientendaten
      • Diagnosen
      • Behandlungsinformationen
    • Grundlage sind standardisierte FHIR-Ressourcen der ISiK-Module.
    • Nur die meldepflichtigen Elemente dieser Ressourcen werden in das Formular übernommen. Für die Register sind keine aus Datenschutzgründen restriktierten Profile mehr erforderlich und FHIR-Ressourcentypen müssen in den Primärsystemen nicht mehr mehrfach umgesetzt werden, um die unterschiedlichen Datenschutzvorgaben zu erfüllen.
  4. Ergänzung durch medizinisches Personal
    • Ärzt:innen ergänzen registerrelevante Angaben.
    • Alle Eingaben können sofort anhand der im Questionnaire definierten Regeln geprüft werden
  5. Strukturierte Speicherung
    • Die ausgefüllten Daten werden als strukturierter Datensatz (FHIR QuestionnaireResponse) zurück ins System geschrieben.
  6. Weiterleitung an Register
    • Der Datensatz wird automatisiert an das externe medizinische Register übermittelt

Vorteile gegenüber herkömmlichen Schnittstellen

  • Einheitliche Datenmodelle und APIs (REST/FHIR) statt individueller Schnittstellen
  • Reduziert Integrationsaufwand zwischen KIS und Registern
  • Formular wird direkt im klinischen Workflow gestartet (mit bereits etabliertem Patientenkontext)
  • Kein Medienbruch (z. B. kein externes Webportal nötig)
  • Nutzung vorhandener klinischer Daten (Diagnosen, Demografie etc.)
  • Reduktion manueller Eingaben
  • Erfüllung datenschutzrechtlicher Vorgaben (registerspezifisches “weglassen” von vorhandenen Informationen) ohne zusätzlichen Implementierungsaufwand
  • Nutzung von etablierten FHIR-Profilen und Terminologien (z. B. SNOMED CT)
  • Daten sind maschinenlesbar und validierbar
  • Gleiche Mechanik für verschiedene Registermeldungen
  • Formular-Definitionen können zentral gepflegt und verteilt werden

Kurzfazit

FHIR-Questionnaires (insbesondere in Verbindung mit Structured Data Capture (SDC)) haben das Potential, Registermeldungen von einem isolierten, oft manuellen Prozess hin zu einem integrierten, standardisierten und automatisierten Workflow zu transformieren. Mit dem ISiK Formular-Modul wird die technische und Infrastrukturelle Grundlage geschaffen, um Registerprozesse auf dieser Basis umsetzen zu können.

Szenario: Abfrage von Informationen bei der Terminbuchung

Kontext: Bei der Buchung eines Termins über ein Patientenportal möchte das Krankenhaus vom Patienten zusätzliche, terminrelevante Informationen erheben – z. B. aktuelle Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikationen oder Versicherungsangaben. Diese Angaben sollen strukturiert erfasst und zusammen mit der Terminbuchung an das Termin-Repository übermittelt werden.

Möglicher Ablauf mit ISiK-Formular-Modul

  1. Slot-Auswahl durch den Patienten
    • Der Patient wählt im Patientenportal einen freien Termin aus. Das Portal kennt die Terminart (z. B. Fachrichtung, Dienstleistungstyp) anhand der Kalender- und Slot-Abfrage.
  2. Ermittlung des passenden Fragebogens
    • Das Portal ermittelt anhand der Terminart das zugehörige Questionnaire aus dem Formular-Repository (z. B. Fragebogen zu aktuellen Beschwerden für allgemeinmedizinische Termine).
  3. Anzeige des Formulars im Portal
    • Der Formular-Renderer stellt dem Patienten das Formular innerhalb des Portals dar. Vorhandene Patientendaten (z. B. Name, Geburtsdatum) können automatisch vorbelegt werden.
  4. Ausfüllen durch den Patienten
    • Der Patient beantwortet die Fragen. Eingaben können anhand der im Questionnaire definierten Validierungsregeln sofort geprüft werden.
  5. Übermittlung zusammen mit der Terminbuchung
    • Die ausgefüllten Antworten werden als QuestionnaireResponse-Ressource zusammen mit der $book-Operation über den Parameter patientSubmittedInformation an das Termin-Repository übermittelt.
    • Das Element QuestionnaireResponse.questionnaire SOLL befüllt sein, damit unterschiedlich strukturierte Antworten unterschieden und perspektivisch automatisiert verarbeitet werden können.
    • Das Element QuestionnaireResponse.text MUSS befüllt sein, damit die Inhalte durch das empfangende System unmittelbar dargestellt werden können.
  6. Verarbeitung im Termin-Repository
    • Das Termin-Repository speichert die QuestionnaireResponse und stellt sie dem klinischen Personal vor dem Termin zur Verfügung. Eine automatisierte Weiterverarbeitung ist perspektivisch möglich.

Vorteile gegenüber herkömmlichen Schnittstellen

  • Einheitlicher, standardisierter Mechanismus für verschiedene Terminarten ohne Anpassungen an der Spezifikation
  • Patientenangaben sind strukturiert, maschinenlesbar und validierbar (FHIR QuestionnaireResponse)
  • Kein Medienbruch: Erfassung und Übermittlung erfolgen innerhalb des Portals im gleichen Buchungsvorgang
  • Fragebögen können je nach Terminart oder Fachrichtung flexibel angepasst werden
  • Vorbelegung mit vorhandenen Patientendaten reduziert manuelle Eingaben
  • Fragebogen-Definitionen können zentral gepflegt und verteilt werden, aber auch im ersten Schritt lokal im Portal vorgehalten werden
  • Nutzung etablierter FHIR-Profile und Terminologien (z. B. SNOMED CT, LOINC)
  • Gleiche Mechanik für unterschiedliche Anwendungsfälle der Terminvorbereitung

Kurzfazit

Die Kombination aus dem ISiK-Terminmodul ($book-Operation) und dem ISiK Formular-Modul (QuestionnaireResponse) ermöglicht es, die Terminbuchung und die Erhebung zusätzlicher Patientenangaben in einem einzigen, standardisierten Schritt zusammenzuführen. Patientenportale können so ohne individuelle Schnittstellenentwicklung terminartspezifische Fragebögen einsetzen und die Ergebnisse strukturiert ans Krankenhaus übermitteln.

Szenario: TI-Messenger (TI-M)

Das ISiK Formularmodul bietet neben der Integration in Krankenhausinfrastrukturen auch die Möglichkeit, Formulare über den TI-Messenger (TI-M) bereitzustellen. Das folgende Sequenzdiagramm zeigt den End-to-End-Ablauf der beteiligten Akteure und Interaktionen im Kontext des TI-Messengers.

Leistungserbringer InfrastrukturFormularDatenQuelleFormularDatenQuelleFormularDefinitionsVerwalterFormularDatenVorbelegerFormularDatenExtraktor(TI-M Pro Client)FormularDefinitionsVerwalterFormularDatenVorbelegerFormularDatenExtraktor(TI-M Pro Client)FormularRenderer(TI-M ePA Client)FormularRenderer(TI-M ePA Client)NutzerNutzerWorkflow-StartNur bei Integration in die Leistungserbringer InfrastrukturFormularDatenVorbelegungLaunchVersand FormularDefinitionund vorbefüllte FormularDaten(TI-M spezifisches Protokoll)FormularRendering mitoptionaler VorbelegungDateneingabeFormularDatenValidierungFormularDatenRückübermittlungVersand FormularDaten(TI-M spezifisches Protokoll)Nur bei Integration in die Leistungserbringer InfrastrukturFormularDatenExtraktionFormularDatenRückübermittlung

Ablaufbeschreibung

  1. Workflow-Start – Der TI-M Pro Client (in den Rollen FormularDefinitionsVerwalter, FormularDatenVorbeleger und FormularDatenExtraktor) initiiert den Prozess.
  2. Vorbelegung (optional, nur bei Integration in Leistungserbringer-Infrastruktur) – Der TI-M Pro Client ruft vorhandene Daten zur Vorbelegung des Formulars aus der FormularDatenQuelle (z. B. dem KIS) ab.
  3. Launch und Übermittlung – Der TI-M Pro Client sendet FormularDefinition (Questionnaire) und optional vorbefüllte FormularDaten über das TI-M-spezifische Protokoll an den FormularRenderer (TI-M ePA Client).
  4. FormularRendering – Der FormularRenderer stellt das Formular mit optionaler Vorbelegung dar.
  5. Dateneingabe – Der Nutzer gibt die erforderlichen Daten im Formular ein.
  6. Validierung – Die Eingaben werden anhand der im Questionnaire definierten Regeln geprüft.
  7. Rückübermittlung – Der FormularRenderer sendet die ausgefüllten FormularDaten (QuestionnaireResponse) über das TI-M-spezifische Protokoll an den TI-M Pro Client zurück.
  8. Extraktion und Rückschreiben (optional, nur bei Integration in Leistungserbringer-Infrastruktur) – Der TI-M Pro Client extrahiert die relevanten Daten aus der QuestionnaireResponse und schreibt sie in die FormularDatenQuelle zurück.

Abgrenzung der ISiK-Akteure im TI-M-Kontext

ISiK-Akteur Entsprechung im TI-M-Kontext
FormularLauncher Standalone-Komponente; wird durch das TI-M-interne Protokoll getriggert; der Patienten-Kontext wird dabei übergeben und kann in den FormularDaten genutzt werden
FormularDefinitionsVerwalter, FormularDatenVorbeleger, FormularDatenExtraktor TI-M Pro Client
FormularRenderer TI-M ePA Client

Verantwortlichkeiten und Datenflüsse im TI-M-Kontext sind in der Vorabveröffentlichung gemF_TI-M_Strukturierte_Daten (Abschnitt 3.3) beschrieben. Stand 28.05.2026. In einer späteren TC wird der Link durch die finale Spezifikation ersetzt.